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Ist hier noch frei? Das ist die absolut richtige Frage! Wenn man an eine Dusche irgendwo im botswanischen Busch kommt, sollte die Verlockung auf fließendes Wasser nicht dazu führen, dass die Vernunft und Besonnenheit aussetzt: Man sollte immer durch die eigens hierfür vorgesehenen Gucklöcher schauen und prüfen, was sich da eventuell gerade in der Dusche tummelt.

Während einer Tour durch die Mabuasehube in Botswana haben wir auch eine Nacht auf der Mpayathutlwa Campsite verbracht. Geweckt wurden wir ganz früh morgens von Löwengebrüll gleich neben dem Zelt.

Als wir nach einigen Minuten das Zelt verlassen haben, waren ausser vieler Spuren leider die Löwen selbst nicht mehr zu finden.

 

Wir haben also erst einmal gemütlich gefrühstückt. Als ich nach dem Frühstück die Toilette aufsuchte, ahnte ich noch nicht, dass ich gleich eine ganz besondere Begegnung haben werde. Beim Verlassen der Toilette waren drei männliche Löwen in nur sechs Metern Entfernung an der Dusche. Sie haben das Wasser aufgeleckt, das vom tropfenden Duschkopf über Nacht in der Wasserrinne aufgesammelt wurde.

Als erstes habe ich natürlich mit einem Pfiff gleich Maike und unsere zwei mitreisenden Freunde gewarnt. Diese sassen ca. 30 Meter weiter im Schatten des A-Frames und haben von den Löwen nichts mitbekommen. Den Pfiff haben sie aber sofort verstanden. Sie sind schnell ins Auto verschwunden und haben sich erstmal einen sicheren Überblick verschafft.

In der Zwischenzeit musste ich mir klarwerden, was das Ganze nun für mich bedeutet. OK, die Löwen sind interessiert am Wasser. Ich habe eine Distanz von sechs Metern - das ist so gut wie nix. Ich bin aber von drei Seiten umgeben von Mauern, ausserdem habe ich zur Not eine Toilette mit Metalltür.

Aber eigentlich sehen die Löwen entspannt aus. Also: mal abwarten und schauen, was passiert.

Da die Dusche permanent tropft, sind die Löwen immer wieder mal in die Dusche rein - zum Teil waren sie zu dritt da drinnen. Mit der Zeit wurde es ihnen auch schon warm, so dass sich immer mal wieder ein Löwe hinter der Toilette in den Schatten gelegt hat. Für mich waren das gefühlsmässig die heikelsten Situationen. Ich konnte nicht mehr alle Löwen gleichzeitig sehen. Ein Teil war rechts, der andere links von mir.

Nachdem ich den Löwen eine halbe Stunde zugeschaut und mich unglaublich über dieses Erlebnis gefreut habe, liess ich mich von Maike abholen. Die Löwen lagen im Schatten. Maike ist mit dem Fahrzeug gekommen und ich konnte bequem einsteigen. Da hatte ich dann endlich auch eine Kamera und konnte selber Bilder machen.

 

Technisches: Canon EOS 50D mit Canon 100-400 bei 400mm, Belichtung: 1/800s, Blende: 7.1, ISO: 200

Wir haben irgendwann unser Camp abgebaut. Die Löwen waren nie weiter als dreissig Meter von uns entfernt und haben gemacht, was Löwen am besten können: schlafen!

Natürlich konnten wir zum Schluss aber auch der Verlockung nicht widerstehen und waren schließlich noch duschen :-) Nach tagelanger Fahrt durch Staub und Trockenheit lässt man sich solch eine Gelegenheit nicht entgehen – wir haben unser Auto einfach so gut es geht quer vor dem Eingang zur Dusche platziert und sind abwechselnd unter Beobachtung unters Wasser gesprungen…

Im Internet findet man immer wieder Bilder und Filme von dieser Dusche mit Löwen - und auf den Tracks4Africa Karten ist hierzu verzeichnet: «Lions enjoying leaking shower»

Zu den Löwen:

Über die Löwen ist sicher sehr vieles bekannt. Sie sind die grössten Katzen in Afrika, leben anders als andere Katzen in Rudeln, die Weibchen jagen und die Männchen beschützen die Rudel. Bei unseren drei Männchen ist es so, dass diese noch zu jung sind, ein eigenes Rudel zu haben. Daher ziehen sie als Brüder gemeinsam umher und jagen auch gemeinsam. Dass Sie erfolgreich sind, konnte man gut erkennen - sie sahen durchaus satt und sehr fit aus.

Wenn die Zeit kommt, werden diese drei Löwen gemeinsam versuchen, ein Rudel zu übernehmen. Durch einen Kampf werden der oder die bisherigen Löwenmännchen aus dem Rudel vertrieben oder gar getötet. Die neuen Rudelführer töten häufig auch die Löwenbabys: Dadurch werden die Weibchen nach kurzer Zeit wieder paarungsbereit und die Männchen zeugen Ihren eigenen Nachwuchs und verbreiten somit die eigenen Gene.

In der Regel können Löwenmännchen ein Rudel für rund drei Jahre führen, bis sie von jüngeren Löwen vertrieben werden.

 

Zu der Mabuasehube:

Die Mabuasehube ist der "wilde" Teil vom Kgalagadi Transfrontier Park (KTP). Die Mabua liegt auf der Botswana-Seite und ist von ausserhalb des KTPs via Hukuntsi bzw. via Tsabong erreichbar. Wer bereits im KTP unterwegs ist und weiter zur Mabuasehube möchte, kann dies von Nossob aus über den sandigen Boso Trail. Von Namibia kommend muss man (sofern man über Mata-Mata ein- und auch wieder ausreist) Dank des Transfrontier Parks nicht einmal zwingend extra in Twee Rievieren die Einreiseformalitäten für Botswana erledigen.

In Twee Rievieren kann man sowohl von botswanischer als auch von südafrikanischer Seite her in den KTP einsteigen - man sollte hier dringend an die entsprechenden Aus- bzw. Einreiseformalitäten denken, wenn man dann an anderer Stelle wieder den KTP und damit gegebenenfalls das Ursprungsreiseland verlassen will.

Im Gegensatz zu den Camps auf der südafrikanischen Seite sind diese in Botswana weder eingezäunt noch gibt es irgendwelche Versorgungseinrichtungen. Die Campsites sind meist irgendwo an einer Salzpfanne. Die einzelnen Stellplätze liegen einige hundert Meter auseinander, so dass man trotz eventueller "Nachbarn" seine Ruhe geniessen kann.

Im gesamten Mabuasehube-Bereich gibt es rund 20 Campsites. Eine Dusche mit Wasser, wie hier bei der Campsite Mpaya 1, ist eine grosse Ausnahme. Eine Lodge ist gar nicht vorhanden.
Die Fahrt ist durchweg sandig bis tiefsandig. Wer den Boso Trail von Nossob her fährt, hat auch einige Dünen zu queren. Für unerfahrene Fahrer oder die falschen Fahrzeuge kann das schon problematisch werden. Das Wichtigste dabei ist, den Luftdruck in den Reifen auf ca. 1.2 Bar zu senken und mit etwas Anlauf auf die Dünen zu fahren. Das Ganze geht man selbstverständlich im 4x4-Modus an.

Die Mabuasehube ist der Bereich der einsamen Campsites, der Ruhe und der grandiosen Sternenhimmel. Es lohnt sich, dort einfach einige Tage hinzufahren und zu entspannen. Ab und zu gibt es sicher auch einige Tiere (Antilopen, Vögel, evtl. Katzen) zu sehen. Wem jedoch wirklich zahlreiche Tiersichtungen und auch etwas Komfort wichtig ist, der ist besser auf der südafrikanischen Seite des Parks aufgehoben. Wir jedoch sorgen gerne für unseren eigenen (und einsamen) Komfort…

Weitere nützliche Informationen zu den Regionen auf Suedafrikakarte, Tracks4Africa und dem Namibia-Forum.